165 Was dich eine Unternehmensschließung über Führung lehrt
Shownotes
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00:00:00: Grandios, dass ihr wieder dabei seid zu einer neuen Folge von insights!
00:00:03: Mein Name ist Joubin, Joubin Rahimi, und heute mit dabei: Götz Karcher.
00:00:08: Hi Götz!
00:00:10: Ja, ich freue mich mega, dass du hier bist, weil dein
00:00:13: Werdegang ist sowas von besonders.
00:00:17: Bevor du da vielleicht einsteigst, Götz ist jetzt oder war bis vor kurzem
00:00:23: Geschäftsführer der Gasversorgung Süddeutschland.
00:00:27: Können wir gleich da ein bisschen abbiegen.
00:00:29: Und die Historie ist, wie du quasi du hier mit auf die Couch gekommen bist,
00:00:33: über eine Kollegin von uns, mit der du zusammengearbeitet hast.
00:00:37: Und wir haben den Kontakt nie über Jahrzehnte eigentlich verloren.
00:00:42: Und warum wir uns hier auch freuen, Götz begrüßen zu können,
00:00:45: ist: Götz macht etwas, wo immer mehr Personen es zukünftig auch machen müssen.
00:00:54: Spoiler.
00:00:55: Aber vielleicht magst du erstmal 2, 3 Sätze zu dir sagen.
00:00:59: Ja, vielen lieben Dank, dass ich da sein kann und dass der Kontakt
00:01:01: dann auch so schnell hergestellt gestellt wurde.
00:01:04: Ich freue mich echt, da zu sein.
00:01:06: Ja, Götz Karcher erstmal, mein Name, bis zum gestrigen Tag der Geschäftsführer
00:01:11: der Gasversorgung Süddeutschland.
00:01:13: Warum gestriger Tag?
00:01:14: Am gestrigen Tag ist die GVS mit der EnBW AG, das ist unser Mutterkonzern,
00:01:20: verschmolzen, unter Auflösung.
00:01:22: Als ich dieses Projekt begonnen habe, musste ich auch erstmal lernen,
00:01:24: was das denn alles so ist, weil wie du schon sagtest,
00:01:26: ich komme eigentlich mal aus dem E-Commerce und mit Sanierung hatte
00:01:29: ich damals noch nicht so viel zu tun.
00:01:31: Und ja, das heißt, seit gestern bin ich dann automatisch
00:01:34: EnBW-Mitarbeiter, damit ich dann im Oktober an neuer
00:01:37: Stelle im Konzern beginnen kann.
00:01:40: Und du wolltest gerade ansetzen.
00:01:42: Genau, richtig.
00:01:43: Wie bin ich dazu gekommen oder wie bin ich hierher gekommen im Prinzip?
00:01:48: Ja, ich habe nach dem Studium begonnen in der E-Commerce-Branche in
00:01:53: verschiedenen E-Commerce-Agenturen.
00:01:55: Zuerst eine ganz kleine, dann eine etwas größere,
00:01:57: dann eine noch größere und in der letzten, in der ich war, habe ich eben auch
00:02:02: deine Mitarbeiterin, Kollegin und meine Ex-Kollegin, die Olga, kennengelernt.
00:02:06: Ich war da für ein Jahr und habe dann tatsächlich aufgrund dessen,
00:02:13: dass ich frisch geheiratet hatte und das mit den Kindern dann so anstand und
00:02:20: ja, das doch, wie sage ich das, es
00:02:23: war eine sehr herausfordernde Zeit, auch zeitlich, weil man da in der
00:02:27: Firma sehr viel zusammengefahren hat, nicht weil man abgebaut hat,
00:02:32: sondern weil es nach oben ging, dann aber doch den ein oder anderen
00:02:35: Mitarbeiter verloren hat und das war einfach eine sehr,
00:02:36: sehr große Belastung und dann gab es die Chance für mich in meiner alten Heimat in
00:02:42: Hessen bei der Mainova AG in Frankfurt am Main, ein E-Commerce-Team aufzubauen.
00:02:48: Die brauchten ganz dringend jemanden, wie ich eben dann erfahren habe,
00:02:51: als ich zum Vorstellungsgespräch da war, der das Thema dort
00:02:55: hauptverantwortlich übernimmt.
00:02:57: Und innerhalb von 7 Tagen war ich beim Erstgespräch,
00:03:01: dann beim Zweitgespräch und hatte am 8.
00:03:03: Tag dann den Vertrag unterschrieben und bin dann in Frankfurt eben als
00:03:08: Teamleiter "Onlinekommunikation" gestartet und durfte da eben dieses E-Commerce-Team
00:03:13: mit aufbauen, das sich um alle digitalen Kanäle der Mainova AG gekümmert hat.
00:03:17: War dann für 9 Jahre lang da und habe dann wiederum eine weitere
00:03:21: Möglichkeit bekommen, in den EnBW-Konzern einzusteigen,
00:03:24: bei der Gasversorgung Süddeutschland.
00:03:26: In einem Unternehmen, das große Strom- und Gasverträge verkauft hat an Stadtwerke.
00:03:33: Und man hat sich dann im Jahr 2023 dazu entschieden, das Unternehmen
00:03:37: in den Konzern zu integrieren.
00:03:39: Und mein damaliger Chef wurde auch just zu dieser Zeit,
00:03:44: was aber nicht der Auslöser war, ist ganz wichtig, an anderer
00:03:47: Stelle auch im Konzern gebraucht.
00:03:48: Der ist jetzt bei der Erdgas Südwest, ist auch ein entsprechendes
00:03:51: Tochterunternehmen.
00:03:52: Und man hat mir angeboten, diese Sanierung,
00:03:56: diese Unternehmensschließung eben als Geschäftsführer zu übernehmen.
00:03:59: Und da habe ich mich sehr schwer getan, weil natürlich aus dem E-Commerce kommt
00:04:03: und ein E-Commerce-Team in der Branche aufbaut, das mit dem
00:04:09: Unternehmen schließen und alles runterfahren nicht so mein Thema war.
00:04:12: War aber jetzt im Endeffekt eine ganz, ganz wertvolle
00:04:16: Erfahrung und es ist auch extrem gut gelaufen, weswegen ich eben
00:04:20: dann im Konzern bleiben darf.
00:04:22: Ich dann ab 1.
00:04:23: Oktober an anderer Stelle in einer entsprechenden Position dann beginne.
00:04:29: Und jetzt ist die Verschmelzung am gestrigen Tag veröffentlicht worden.
00:04:33: Also bin ich kein Geschäftsführer mehr.
00:04:34: Das Unternehmen gibt es nicht mehr und ich stehe dann sozusagen geparkt
00:04:37: in ihrem Konzern bis zum 1. Oktober.
00:04:39: Was ich total spannend finde: Du kommst ja aus einem Bereich,
00:04:42: wo du immer aufgebaut hast.
00:04:44: Aufbauen, schneller, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr zu abbauen.
00:04:48: Ja, ist ja ein ganz anderer Typ von Arbeit.
00:04:51: Da würde ich gerne einmal hin.
00:04:54: Das ist etwas, weil der ein oder andere weiß ja in den
00:04:57: Gesprächen, die wir haben, E-Commerce hat überall geboomt und jetzt
00:05:03: schrumpft es an einigen Stellen, auch weil es manchmal zu viel gemacht
00:05:06: worden ist, also gar nicht systemisch, sondern overpaced und bei einigen ist es
00:05:13: auch strukturell in der Branche halt schwieriger und da muss dann auch was
00:05:17: zusammengelegt werden und so weiter.
00:05:19: Genau, deswegen ist es mega, wenn du von deinen Erfahrungen
00:05:22: in dem Zuge erzählen kannst.
00:05:23: Du hast ja zwei Sachen: Einmal, wie hast du es sachlich angegangen,
00:05:26: und das Zweite ist, wie hast du diesen Brainfuck bewältigt und
00:05:33: eine Resilienz gehabt, die du wahrscheinlich gehabt hast.
00:05:35: Das unterstelle ich dir mal, wirklich diesen Weg zu gehen von ich baue
00:05:38: immer auf und das ist immer super zu ich nehme Sachen weg.
00:05:44: Richtig, richtig.
00:05:44: Das ist auch wirklich ein Perspektivwechsel gewesen und das war der
00:05:47: Punkt, über den ich mir in der Entscheidungsphase,
00:05:53: ob ich das jetzt machen möchte oder auch nicht, tatsächlich die
00:05:56: größten Sorgen gemacht habe.
00:05:58: War es dir schon so bewusst, als du die Stelle angetreten hast,
00:06:01: dass die Entscheidung kommt?
00:06:02: Genau, also die Entscheidung war schon getroffen.
00:06:04: Ich war da als Bereichsleiter damals mit der Geschäftsführung gemeinsam schon sehr,
00:06:11: sehr eng mit eingebunden, habe also mich ein Stück weit auch
00:06:15: emotional damit beschäftigen können, weil das war natürlich ein Prozess,
00:06:18: an dem wir sehr, also wir heißt die Bereichsleitungen und
00:06:23: die Geschäftsführung, ganz intensiv mitgearbeitet haben und im
00:06:27: Prinzip auch diese Entscheidung mitgetroffen haben, das Unternehmen
00:06:29: eben in den Konzern zu integrieren. Das ist ganz wichtig.
00:06:32: Das war kein Teil der Entscheidung zu sagen, okay, wir schließen
00:06:35: jetzt einfach ab und fertig.
00:06:37: Das geht auch in der Energiebranche gar nicht, weil da laufen Verträge
00:06:41: typischerweise 3, 4, teilweise 5 Jahre in die Zukunft.
00:06:44: Das heißt, da musste man auch den richtigen Zeitpunkt finden.
00:06:47: Wann schließt man denn das Unternehmen?
00:06:48: Also die Verträge passen, dann ist der Vertrieb da.
00:06:51: Genau, die kann man auch nicht einfach so übertragen.
00:06:53: Ist alles hochkomplex, ist aber gar nicht das Thema.
00:06:57: Und das heißt, ich war Bereichsleiter und wusste auch, okay,
00:07:00: ich muss mich mal mindestens um mein Team kümmern und natürlich auch dann darum,
00:07:06: wie machen wir das denn insgesamt mit dem Unternehmen?
00:07:09: Und das dann aber dem Michael Riemmler, mein damaliger Chef,
00:07:14: dann einen Ruf bekommen hat sozusagen an anderer Stelle im Konzern.
00:07:16: Das war überhaupt noch gar nicht absehbar, weswegen wir auch nicht so davon
00:07:21: ausgegangen sind, naja okay, machen das alles so ein bisschen kleiner
00:07:24: und naja, man kann sich dann ja als Bereichsleiter so ein bisschen
00:07:27: zurücksetzen, kann sagen, ja, der Michael macht das ja.
00:07:29: Ist auch ein super Verhältnis, auch weiterhin.
00:07:32: Aber dann war eben irgendwann wieder diese Entscheidung da.
00:07:36: Dass er hier eben eine Chance hat, an anderer Stelle schon weiterzumachen.
00:07:40: Da wiederum auch Aufbau, weil der ist eigentlich genauso wenig ein
00:07:44: Sanierer gewesen wie ich und ist es heute natürlich dann auch nicht vom Mindset her.
00:07:50: Aber dann sind eben der Aufsichtsratsvorsitzende und mein Chef
00:07:54: dann auf mich zugekommen und haben gesagt: Götz, wir brauchen bis zum Schluss die IT,
00:07:58: wir brauchen bis zum Schluss die Finanzen, wir brauchen bis zum Schluss diejenigen,
00:08:03: die sich um die Kunden kümmern, im Kundenservice und in der Betreuung rund
00:08:06: um diese ganzen Verträge, auch da ganz großer Teil eben IT.
00:08:14: Und dann war klar, na ja, das würde halt eben ganz gut passen.
00:08:17: Und was ja eben auch ganz wichtig war, dass sie gesagt haben,
00:08:19: und wir trauen es dir zu, dass du das als Geschäftsführer
00:08:21: übernimmst, obwohl du nicht derjenige bist,
00:08:25: der eigentlich Dinge dazu kriegt, dass die kleiner werden und
00:08:28: irgendwann verschwinden.
00:08:30: Und nach mehreren Gesprächen, wo ich auch genau das dann angemerkt habe:
00:08:34: Wie sieht das aus mit eurer Einschätzung?
00:08:37: Wie soll das laufen?
00:08:39: Was ist auch der Auftrag?
00:08:41: Da muss man auf Holz klopfen und muss man auch den Konzern tatsächlich loben.
00:08:45: Ich habe an der einen oder anderen Stelle dann mal gesagt, wenn die EnBW BlackRock
00:08:49: wäre, wäre das alles viel einfacher gewesen,
00:08:51: weil man hat im Prozess und im Projekt gemerkt, der Konzern hat für so eine
00:08:56: Unternehmensschließung keine Prozesse.
00:08:58: Da weiß keiner Bescheid, wie das geht.
00:09:00: Das hat zwar der eine oder andere schon mal gemacht, aber es gibt keine
00:09:03: klare Vorgabe, wie geht das denn.
00:09:05: Man musste da tatsächlich für manche Dinge, die du einfach lösen musst,
00:09:08: was ganz Neues individuell stricken, damit das funktioniert.
00:09:13: Und ja, auf dieses Mindset habe ich mich dann eingelassen und muss auch tatsächlich
00:09:18: sagen, in der Zeit, die ich das gemacht habe,
00:09:20: war das natürlich so eine Null-Risikokultur,
00:09:23: die ich mir auch selbst auferlegt habe.
00:09:27: Natürlich ganz wichtig: Mitarbeiter im Mittelpunkt, weil du darfst keinen
00:09:31: Mitarbeiter zu früh pfänden.
00:09:33: Das ist wichtig, wenn du Leute hast.
00:09:35: Das waren nur 68 Mitarbeiter.
00:09:37: Wenn du da einen verlierst und er ist der Einzige, der das Know-how hat,
00:09:42: mal ganz platt gesprochen, dann bist du aufgeschmissen,
00:09:44: weil dann wird dir der Konzern irgendwann auch, oder er kann dir teilweise
00:09:46: eben einfach auch gar nicht helfen.
00:09:47: Das heißt, es gab dann einen ganz genauen Plan.
00:09:49: Wer soll wann gehen?
00:09:51: Und am besten hältst du eben Leute, indem du ihnen eine Perspektive
00:09:55: und eine andere Stellung gibst.
00:09:56: Und das hat super funktioniert.
00:09:59: Aber das war schon schwer.
00:10:00: Das muss ich sagen, habe ich jetzt zum Schluss hin auch
00:10:03: gemerkt, wo jetzt diese neue Stelle im Konzern, bei der ich auch wieder
00:10:07: für Wachstum zuständig sein darf.
00:10:10: Als diese Gespräche dann gestartet sind, da habe ich auch gemerkt,
00:10:12: das ist doch sehr tief in mich reingefressen, dieses bloß keinen
00:10:16: Fehler machen, ganz sachlich sein.
00:10:19: Auch nicht so begeistert sein an der einen oder anderen Stelle.
00:10:23: Und das habe ich mittlerweile aber, glaube ich, ganz gut wieder abgelegt.
00:10:26: Also da muss man schon dran arbeiten und muss sich dann selbst prallen im Dach auf.
00:10:30: Okay, so und so und so muss das laufen.
00:10:32: Weil der Auftrag, okay, das war die Verschmelzung mit Auflösung.
00:10:35: Das war der Auftrag.
00:10:36: War der Auftrag, Personal abzubauen, oder war der Auftrag, egal?
00:10:42: Es war ja so groß.
00:10:44: Was das Personal angeht, dass sie sagen, wir haben so viel hohe Fluktuation.
00:10:47: Wenn es passt, dann passt es, wenn nicht, dann nicht.
00:10:49: Wie waren da die Leitplanken?
00:10:51: Ist verständlich.
00:10:53: Und die Frage, die ist wirklich gut.
00:10:55: Und da muss ich tatsächlich ein Loblied auf den Konzern singen,
00:11:01: weil man eben nicht genau diese Vorgabe gemacht hat, was mit den
00:11:05: Mitarbeitern passiert ist.
00:11:06: Nicht nur Aufsichtsrat, sondern bis hoch in den Vorstand,
00:11:11: den ich dann ja auch mehrfach treffen konnte, musste, durfte,
00:11:16: war ganz klar: Wir kümmern uns um unsere Mitarbeiter.
00:11:19: Es darf natürlich nichts passieren, keine Katastrophen.
00:11:23: Das soll finanziell alles ganz sauber laufen.
00:11:26: Aber wir haben uns aus Risikogründen dazu entschieden, dieses Business eben an
00:11:30: anderer Stelle in einer anderen Skalierung fortzuführen.
00:11:33: Also das war auch wichtig.
00:11:34: Es sollte genau aussortiert werden, was ist wertheilig, was machen wir weiter,
00:11:38: eben an anderer Stelle.
00:11:40: Und nur ganz wenige Dinge tatsächlich hat man auch aufgegeben und immer unter der
00:11:44: Prämisse: Die Mitarbeiter sind wichtig.
00:11:47: Natürlich hat das auch dazu geführt, dass du keine Risiken hast,
00:11:49: weil du keinen Mitarbeiter verlierst optimalerweise, den du brauchst,
00:11:53: um diese Katastrophen zu verhindern.
00:11:56: Aber von Anfang an waren alle Betriebsräte mit eingebunden, sowohl im Konzern wie
00:12:00: eben auch bei der Gasversorgung Süddeutschland,
00:12:02: und bis eben hoch zum Vorstand war ganz klar: Wir kümmern uns um die Mannschaft.
00:12:07: Und das hat sehr, sehr gut funktioniert, mit ganz wenigen Ausnahmen.
00:12:11: Also es ist wirklich unter 5% der Mitarbeiter, die keinen direkten
00:12:15: Anschluss gefunden haben.
00:12:17: Und von denen, die einen neuen Job haben, also die, klar, weil im Konzern, von denen
00:12:23: sind über 90% in den Konzern gewechselt.
00:12:27: Und das ist natürlich für alle Beteiligten perfekt,
00:12:30: weil einerseits zeigt das für den Konzern: Na ja, die sind attraktiv,
00:12:34: man hat sich gekümmert.
00:12:36: Und auf der anderen Seite ist es aber auch so, wenn du einen Mitarbeiter aus der GVS
00:12:40: irgendwohin in den Konzern vermittelst, sage ich mal, oder abgibst,
00:12:46: dann ist das Risiko, dass der nichts mehr macht, das ist sehr gering.
00:12:50: Und da haben wir wirklich einige Leute gehabt, die sind schon gewechselt und die
00:12:53: neuen Führungskräfte, die sie hatten, haben die dann zu 50%, teilweise wirklich
00:13:00: für mehrere Monate zu 100% abgestellt für dieses Projekt.
00:13:03: Wir machen die Gasversorgung für Deutschland zu,
00:13:06: aber wir machen das ganz, ganz sauber.
00:13:08: Und ja, es ist zwar eine Verschmelzung unter Auflösung, Sanierung,
00:13:15: aber es ist finanziell und insbesondere auch vor dem Hintergrund für die
00:13:18: Mitarbeiter ist es eine absolute Erfolgsstory.
00:13:20: Wussten Sie denn am Anfang, dass es so kommt?
00:13:22: Also konntest du das schon kommunizieren oder war das etwas,
00:13:26: was sich so ergeben hat?
00:13:27: Nein, also das war ein ganz wichtiger Punkt,
00:13:31: den auch unser Aufsichtsratsvorsitzender dann direkt mit angestoßen hatte.
00:13:35: Wir haben gesagt, natürlich analysieren wir die Frage, muss es sein?
00:13:43: Und wenn ja, wie machen wir das denn?
00:13:46: Aber wir binden frühestmöglich nicht nur den Betriebsrat mit ein,
00:13:49: den wir ja sowieso mit einbinden müssen, oder irgendwelche Schlüsselpersonen,
00:13:54: sondern möglichst unmittelbar auch die Mannschaft.
00:13:57: Und es war wenige Wochen, wahrscheinlich sogar Tage,
00:14:01: wenn ich mich recht erinnere, nach der Entscheidung: Wir machen das.
00:14:05: Das Unternehmen wird geschlossen.
00:14:06: Wir wissen noch gar nicht ganz genau, zu welchem Zeitraum, weil wie gesagt,
00:14:09: da gibt es Verträge, die gehen bis zu 5 Jahre,
00:14:11: und dann musst du gucken, wann ist sozusagen der beste Zeitpunkt,
00:14:15: weil du natürlich den größten Teil erfüllen musst dieser
00:14:19: FED-Regel und für nicht alle eben einfach irgendwie eine Migration hast.
00:14:25: Und dann wurde die Mannschaft zusammengerufen und dann wurde da ganz
00:14:29: offen drüber geredet, dass wir gesagt haben,
00:14:31: die Entscheidung ist gefallen, das Unternehmen wird in
00:14:33: den Konzern integriert.
00:14:35: Es wird auch keine Garantie, also keine Anschlussgarantie für die Jobs geben.
00:14:42: Das heißt, etwas das natürlich erstmal Unsicherheit auslöst.
00:14:46: Großer Schock, total.
00:14:47: Ja, also muss man ganz klar sagen, die Stimmung war da nicht so super.
00:14:51: Und dann aber im gleichen Zuge auch die Zusage gemacht, dass wir uns kümmern um
00:14:58: jeden, dass wir natürlich auch erwarten, dass es dann entsprechende Gegenleistung
00:15:01: gibt und dass wir gemeinsam als GVS das Unternehmen in den Konzern
00:15:05: integrieren müssen.
00:15:06: Und ich habe gerade zu meinen ITlern die natürlich dann sich im Prinzip die
00:15:10: wenigsten Sorgen gemacht haben, weil wenn du ITler bist, dann kriegst
00:15:15: du relativ einfach dann einen neuen Job.
00:15:19: Aber ich habe dann eben auch gesagt, das Wichtigste,
00:15:22: das wir jetzt machen müssen, ist einen richtig,
00:15:24: richtig guten Job in diesem Projekt, weil das ist die beste
00:15:29: Art und Weise zu zeigen, wir alle werden im Konzern gebraucht.
00:15:34: Und das ist auch tatsächlich so.
00:15:35: Ich habe niemanden vermitteln können oder müssen, so mit Nachdruck, um dann zu
00:15:42: sagen, ja, das ist schon ein Mitarbeiter.
00:15:44: Nimm ihn schon. Ja, da muss man irgendwie.
00:15:47: Also alle Mitarbeiter haben sich, ob nun intern oder extern, ganz normal beworben.
00:15:52: Ich habe natürlich an der einen oder anderen Stelle dann Gespräche geführt,
00:15:55: nicht um die jetzt anzubieten oder da irgendjemandem was vorzulügen.
00:16:00: Würde ja auch wenig Sinn machen, wenn die dann in den Konzern wechseln und
00:16:03: ich bin auch noch da und dann kommt nachher raus, da hat er uns
00:16:07: irgendwie ein faules Einsnest gelegt.
00:16:09: Aber um einfach zu besprechen: Wie müssen wir das denn machen?
00:16:11: Wie gibt es eben dieses Dienstleistungsmodell?
00:16:13: Die Leute bekommen so einen kleinen Rucksack mit, da sind
00:16:15: so ein paar Sachen drin.
00:16:16: Das ist aber alles genau auch geplant.
00:16:19: Wann müssen die was beispielsweise tun?
00:16:21: Server runterfahren, irgendwelche Cloud-Lösungen deaktivieren.
00:16:26: Wo du eben nur ein oder zwei Mitarbeiter hast, die das dann machen können.
00:16:29: Das geht dann erst in einem halben Jahr.
00:16:31: Wir müssen eine Sonderlösung finden, wenn da jemand jetzt schon wechseln will,
00:16:35: aber gebraucht wird noch im nächsten Jahr und so weiter und so fort.
00:16:39: Also da muss man wirklich sagen, haben alle Führungskräfte und somit auch
00:16:44: der Gesamtkonzern einen ganz tollen Job gemacht und haben ihre
00:16:47: Verantwortung übernommen.
00:16:49: Und da habe ich eine Geschichte zu, die mich wirklich, wirklich gefreut hat.
00:16:53: Es gab eine Führungskraft, sehr hochrangige Führungskraft,
00:16:56: ganz wichtig, die für wenige Monate im Unternehmen war.
00:17:02: Ich glaube, es waren 3 oder 4 Monate und die sich so
00:17:06: eingesetzt hat für die Mitarbeiter der GVS im Zuge von so einem Angebot im Prinzip.
00:17:13: Die wusste, okay, ich brauche für die Aufgabe eine Person.
00:17:17: Ich habe doch gehört, da gibt es jemanden.
00:17:19: Wir kannten uns noch gar nicht.
00:17:20: Aber nach dem ersten Kontakt war da wirklich voller Einsatz für die Company im
00:17:26: Prinzip und für ein Unternehmen, wo sie eben vor wenigen
00:17:29: Monaten hingewechselt ist.
00:17:31: Ganz tolle Sache.
00:17:33: Bis hoch zu einer sogenannten L1-Ebene, also direkt unter dem Vorstand,
00:17:37: sind Leute aus Karlsruhe nach Stuttgart gefahren und haben sich einen
00:17:41: ganzen Tag Zeit genommen.
00:17:42: Und das sind alles Leute, die haben so 800.000, 900.000 Leute unter sich.
00:17:47: Und von Karlsruhe nach Stuttgart zu fahren ist kein Spaß im Moment,
00:17:51: muss man sagen, mit der Autobahn.
00:17:52: Wieder eine neue Baustelle?
00:17:54: Nein, das ist die Baustelle da bei Pforzheim.
00:17:56: Wie immer.
00:17:58: Die wird glaube ich auch nie fertig.
00:18:01: Aber die haben da wirklich, wirklich sich eingesetzt für.
00:18:05: Und das ist auch ein Grund dafür, warum das so super gelaufen ist.
00:18:08: Also Quote von über 90% bei einer Sanierung.
00:18:10: Das ist wirklich so top.
00:18:13: Vorstand stand dahinter, das L1-Team hat mitgewirkt, jeder wusste,
00:18:22: es gibt eine Chance, aber es gibt keine Garantien.
00:18:24: Richtig. Das war ja auch ein Thema.
00:18:29: Und du musstest die Person so lange wie möglich in der Firma halten,
00:18:33: bis der Job getan wurde.
00:18:34: Das ist ja die Herausforderung.
00:18:36: Das war dann halt auch etwas, wo mit dem neuen Arbeitgeberkonzern,
00:18:41: okay, die Person wechselt schon, aber steht für mich dann halt
00:18:44: noch partiell zur Verfügung.
00:18:46: Das sind glaube ich so die Sachen, die du brauchst.
00:18:48: Ja, und das macht ganz viel aus, diese Erstkommunikation, dass ganz
00:18:51: klar war, Person XY oder auch Rolle XY.
00:18:55: Du hast natürlich manchmal Leute, die sich so ein Stück weit ergänzen können
00:18:58: oder sich ergänzt haben in der Vergangenheit und das eben zukünftig auch
00:19:02: machen können, dass eben, okay, Von euch beiden
00:19:06: brauchen wir einen so und so lang und den anderen ein bisschen länger.
00:19:11: Und da hast du natürlich dann auch die Herausforderung.
00:19:13: Da musst du dann gucken, weil die bewerben sich alle auf
00:19:15: die gleiche Stelle im Konzern.
00:19:17: Die haben alle ein Stück weit natürlich die gleiche Sorge.
00:19:22: Die müssen trotzdem den gleichen Job machen.
00:19:25: Und das hat man immer gemerkt, wenn Mitarbeiter dann gewechselt sind.
00:19:29: Bisschen früher als im Zeitplan oder passend zum Zeitplan,
00:19:33: dass das natürlich so eine ganz ambivalente Situation ist für die Leute,
00:19:36: die da sind und da bleiben.
00:19:38: Weil auf der einen Seite ist es natürlich toll, ein Kollege hat was Neues gefunden.
00:19:43: Also nicht nur für den toll, sondern auch der Beweis: Naja Leute,
00:19:47: es ist jetzt der 10., es ist der 12., es ist der 15., der im Konzern oder an
00:19:51: anderer Stelle was gefunden hat, was total gut passt.
00:19:54: Also wird dann ja für mich auch was übrig bleiben, obwohl ich dann länger warten
00:19:56: muss, aber auf der anderen Seite natürlich auch eine ständige weitere
00:20:00: Verdichtung der Aufgaben.
00:20:02: Die sind zwar weniger geworden, klar, aber ob du in so einem System wie das,
00:20:07: was wir da haben, 6500 Verträge, die sind alle hochkomplex,
00:20:11: aber ob die da automatisch durchlaufen oder ob das 400 sind,
00:20:13: das macht ja für denjenigen, der das bearbeiten muss,
00:20:16: macht das keinen Unterschied und insoweit war es eben einfach so,
00:20:20: du hast ein nicht unbedingt immer mehr Aufgaben bekommen von der Masse her,
00:20:26: aber es waren einfach immer mehr unterschiedliche Dinge.
00:20:30: Immer breiter dann wahrscheinlich.
00:20:31: Es wurde immer und immer breiter.
00:20:33: Das war bei mir persönlich ja genauso.
00:20:34: Seit dem 01.1.2026 war ich ja im Prinzip alleine.
00:20:40: Da waren noch 2 Mitarbeiter da, für die wir so eine Übergangsfrist
00:20:43: geschafft haben, und die haben mich auch an vielen Stellen total gut entlastet.
00:20:46: Aber egal, was dann irgendwann kam, Herr Karscher, Herr Karcher,
00:20:51: es gibt nur noch eine, also nur noch meine Telefonnummer und
00:20:53: meine E-Mail-Adresse, die im Netz steht.
00:20:56: Egal, was da reingekommen ist, ist ja alles auch zu mir geflogen.
00:20:58: Also es ist auch immer gewesen.
00:21:01: Was könntest du aus dem Projektleiterwesen,
00:21:03: wo du ja vorher tätig gewesen bist, so wirklich mitnehmen für
00:21:07: diese Sanierungsthematik?
00:21:09: Also was ich glaube, was auch ein ganz wichtiger Punkt war,
00:21:11: und das war mir auch schon als Projektleiter oder insgesamt
00:21:15: als Kollege total wichtig.
00:21:16: Man muss sich auch um die Einzelpersonen kümmern, ohne aus dem Blick zu verlieren,
00:21:22: dass du ja so eine Mannschaft hast, die insgesamt auch noch funktionieren muss.
00:21:28: Gerade in so einer Situation wie so einer Sanierung, da hast du Personen,
00:21:31: die sofort Existenzängste haben, wirklich bis an den Knochenschlag.
00:21:36: Es gab eine Kollegin, die hat fest geplant gehabt, umzuziehen.
00:21:41: Und zwar gar nicht schlimm, irgendwie in so einem Mehrfamilienhaus von
00:21:43: der Wohnung, weiß ich nicht, in der Mitte ganz nach oben oder so.
00:21:48: Ich weiß auch, kein großer Umzug, aber es war halt eben eine größere
00:21:50: Wohnung, war eine schönere Wohnung.
00:21:52: Kostet bisschen mehr Geld, kann ich mir leisten, wenn ich meinen Job verliere.
00:21:55: Richtig.
00:21:56: Und dann hat er diesen Umzug nicht gemacht.
00:21:59: Und zwar kurz nachdem das überhaupt erstmal an die Mannschaft
00:22:02: weitergegeben worden ist.
00:22:03: Und da war ja vollkommen klar, Leute, dauert mindestens dreieinhalb
00:22:06: Jahre noch, bis das passiert.
00:22:09: Und wir sind bei der EnBW, es gibt ganz viel zu tun und, und, und.
00:22:12: Wir werden alles für euch tun.
00:22:14: Und die hat es nicht getan.
00:22:17: Und trotz Mann und Kind.
00:22:20: Und ist auch eine sehr, sehr eng mit mir zusammenarbeitende
00:22:25: Kollegin gewesen.
00:22:27: Und da haben wir viel, viel telefoniert.
00:22:30: Weil du glaubst natürlich auf so ein Level bekommen muss, dass die ihren Job noch
00:22:32: machen können und dass die ja, dass man da einfach persönlich
00:22:37: auch ein gutes Gewissen hat.
00:22:38: Ich habe mich auch um meine eigene Zukunft erst gekümmert,
00:22:42: als fast alles für die Mitarbeiter durch war, weil ich für mich selbst gesagt habe,
00:22:46: hey, den Einsatz musst du bringen und erst dann kann ich gut schlafen, wenn die
00:22:49: hoffentlich alle gut schlafen können.
00:22:52: Und das ist eben was, das brauchst du nur so einen Einsatz und
00:22:54: dieses Commitment, dass die Leute auch spüren irgendwo,
00:22:57: wo sie es herkriegen, weiß man ja nicht so genau.
00:22:59: Du bist der Letzte, der geht, ne?
00:23:00: Eigentlich ist es ja, du bist ja der Letzte, der von Bord geht.
00:23:04: Ganz, ganz klar.
00:23:05: Tun ja nicht alle Kapitäne, wie man vorsichtig festgestellt hat.
00:23:09: Da gab es jetzt irgendwie auch so einen Jahrestag, habe ich gesehen,
00:23:14: aber das ist eben wirklich so, dass du so einen guten Mix haben musst
00:23:18: zwischen du bist Manager und du hast alles unter Kontrolle,
00:23:21: ist alles safe, die Leute können sich dich verlassen und sie können sich aber auch
00:23:23: persönlich auf dich verlassen, ohne dass du dich natürlich auch von
00:23:29: dem einen oder anderen Hypochonder, sage ich mal, wenn es denn einen gegeben
00:23:31: hätte, gab es nicht, aber es kann ja vorkommen, dass du
00:23:35: dich davon eben verrückt machen lässt.
00:23:37: Weil es gibt ja, wie war das, der Ausdruck,
00:23:41: den Holger auch da gesagt hat, Zeiträuber. Genau.
00:23:47: Da musst du eben aufpassen, dass die mir nicht zu viel Zeit und Kraft rauben.
00:23:54: Und dadurch bekommst du es eben dann hin, wenn du so eine Position hast,
00:23:56: wo du ja viel so im Groben beeinflussen kannst, aber eben nicht auch ganz
00:24:00: individuell, dass du die Leute auch dazu bekommst,
00:24:03: dass die sich selbst beruhigen oder eben nicht anstacheln und
00:24:08: auch in die Pflicht nehmen, dass das, was du da tun musst, einfach erledigt werden.
00:24:12: Das ist schon mal eine Menge wert, nicht anzustacheln.
00:24:16: Ja, geht man natürlich typischerweise davon aus, das ist das größte Risiko,
00:24:20: dass du dann auf einmal da eine Rebellion hast oder um mal bei dem Kapitän
00:24:24: zu bleiben, eine Meuterei.
00:24:26: Ist nicht passiert.
00:24:28: Es gab, ich glaube, zweimal so einen Aufruhr, sagen wir mal,
00:24:33: typischerweise natürlich, oder was heißt typischerweise,
00:24:36: logischerweise natürlich von denjenigen, die noch nicht feste Perspektiven und
00:24:40: somit Sicherheit hatten, ganz klar.
00:24:43: Aber das konnte man eben recht gut auch dadurch dann bearbeiten und ist
00:24:48: dann auch gut aus der Nummer rausgekommen, sage ich mal,
00:24:51: weil du eben den Rest der Mannschaft hattest, die dann auch gesagt haben:
00:24:54: Guck doch mal, ABC ist schon weg.
00:24:58: Der ist noch hier, aber ist schon längst mit einem neuen Vertrag ausgestattet,
00:25:03: sozusagen. Lasst doch uns den Rest nicht hängen.
00:25:07: Und insoweit, das ist eine Sache, wo du ganz früh dran sein musst.
00:25:13: Du musst dich um die Leute kümmern, egal was für ein Manager du bist.
00:25:16: Ja klar, ich habe immer, ich komme ja aus der Gegend von Frankfurt.
00:25:20: Ackermann hat gesagt, Kapitalrendite passt nicht.
00:25:23: Wir müssen, glaube ich, 10% oder 7% Personal leichtern.
00:25:29: Rasenmähermethode, überall Leute rausschmeißen.
00:25:32: Kann man so machen, wenn man mit der S-Klasse in
00:25:36: die Garagen fährt und im Aufzug nach oben und nur Leute hat,
00:25:40: die von dieser Kürzung nicht betroffen sind, die einem dann immer sagen: Ja,
00:25:43: das ist gut so, das ist gut so, das ist richtig so.
00:25:47: So ein Projekt bekommst du nicht hin ohne die Leute.
00:25:48: Und zwar null. Du musst offen sein.
00:25:51: Und auch das wiederum bis zum Vorstand hin.
00:25:54: Aufsichtsratsvorsitzender ganz, ganz vorne.
00:25:58: War da von Anfang an sehr, sehr offen und loyal.
00:26:04: Und wir haben, sobald es neue Infos gab, auch wenn die manchmal nicht so angenehm
00:26:09: waren, wie zum Beispiel, okay, wir machen das jetzt doch ein
00:26:11: Jahr früher, als das Maximum wäre.
00:26:14: Auch das gibt 1000 Gründe, war total richtig.
00:26:17: Damit sind wir dann rausgegangen an die Mannschaft und haben gesagt, so ist es
00:26:22: und da führt kein Weg dran vorbei.
00:26:24: Aber wir lassen euch nicht hängen.
00:26:27: Es ist ja gut, wenn man die Möglichkeiten hat.
00:26:31: Die Freiheiten müssen einem gelassen werden.
00:26:33: Deswegen auch da toi, toi, toi an alle, die das machen müssen,
00:26:37: und ein großes Lob an den Konzern.
00:26:40: Bei mir direkt war es ja zuerst mal Geschäftsführung,
00:26:43: dann oben drüber der Aufsichtsrat.
00:26:45: Dann war ich sprachlos, weil dann war ich ja Geschäftsführung
00:26:48: und bis hin zum Gesamtvorstand.
00:26:50: Dass das sozialverträglich ist und dass das für die Leute gut und passend ist,
00:26:56: das hatte immer ganz, ganz hohe Priorität.
00:27:00: Jetzt kannst du als Risikomanager natürlich sagen, ja natürlich,
00:27:02: ist ja total teuer,wie dir da wenn du dir so ein Vertrag flöten geht.
00:27:06: Wenn dann immer 60 Personen auf einmal richtig schlecht über eine Firma reden und
00:27:11: dann intern aufstacheln, ist auch blöd.
00:27:15: Ja, ja, oder eben dann tatsächlich so eine ohne Vertragsstrafe.
00:27:18: Also die Umsätze, die bei solchen Verträgen dann laufen, die sind so hoch.
00:27:23: Also die Marge ist klein, aber die Umsätze sind so hoch, dass dann,
00:27:27: wenn dann irgendwelche Vertragsstrafen kommen, weil du eben etwas nicht lieferst
00:27:32: oder irgendwelche anderen Fehler machst, das zerschlägt dir sofort das Unternehmen.
00:27:36: Das war ja auch so, dieses Risiko zu reduzieren war ja
00:27:39: überhaupt Grund dafür, das Unternehmen dann zu integrieren.
00:27:42: Oder die Geschäftsmodelle zu integrieren.
00:27:46: Und wenn du dann eben, na ja, nur einen dieser Verträge,
00:27:50: zu Beginn waren es über 3000 mit über 3 Milliarden Umsatz,
00:27:54: wenn du davon einen fallen lässt, dann rechnet sich das auch ganz schnell.
00:27:58: Vollkommen klar.
00:27:59: Das war aber nie eine Argumentation, die man irgendwie ziehen musste.
00:28:01: Es ging immer um die Leute.
00:28:03: Dann noch eine ganz andere Frage: Würdest du den Job noch mal machen?
00:28:10: Das ist eine der unabgeschriebenen Fragen.
00:28:12: Nein, nein, also die Frage ist schon öfter gestellt worden, deswegen schmunzel ich
00:28:17: so, weil da gibt es 2 Antworten drauf.
00:28:20: Ich würde das wieder machen, wenn ich in der gleichen Situation
00:28:24: zu der Zeit wie damals wäre.
00:28:27: Ich habe mich dazu entschieden, weil ich gesagt habe,
00:28:30: die Herausforderung nehme ich an und es ist auch für mich eine Chance.
00:28:33: Und jetzt weiß ich ja, dass es sich für mich jetzt unter anderem
00:28:35: auch ausgezahlt hat und dass das total gut laufen kann.
00:28:39: Ich würde das jetzt aber nicht nochmal machen.
00:28:41: In der letzten Projektsitzung mit dem Team, das ich im Konzern,
00:28:46: da hast du ja 1000 Leute für, die das machen, und dann nachher hast
00:28:49: du eben so ein Kernteam von 10 Personen.
00:28:52: Da habe ich dann gesagt: Liebe Kollegen, wir haben es geschafft.
00:28:55: Und wenn mich jemand fragt, wer dabei war, dann ist meine erste Gegenfrage:
00:29:02: warum die Leute denn wissen wollen, wer das gemacht hat.
00:29:04: Wenn nämlich jemand wissen möchte, wer sich mit sowas auskennt,
00:29:08: damit man das noch mal machen kann, dann nenne ich keinen mehr.
00:29:11: Wenn mich jemand fragt, naja, das ist ja eine Erfolgsgeschichte,
00:29:13: wir wollen wissen, wer an diesem tollen Projekt mitgearbeitet
00:29:16: hat, dann nenne ich sie alle.
00:29:19: Weil das ist halt eben genau die Sache, du hast da,
00:29:23: das hast du ganz am Anfang auch angesprochen, wirklich auch psychologisch
00:29:28: und von deiner eigenen Wirksamkeit her schwierige Situation.
00:29:34: Weil es ist zwar auf der einen Seite schön, dass du dich kümmern kannst um
00:29:36: Einzelschicksale, das belastet aber auch.
00:29:40: Und du hast eben Personen, die so damit kämpfen,
00:29:46: und wenn man das nicht komplett an sich abprallen lassen kann, dann ist das schon
00:29:51: ganz, ganz hart tatsächlich in der Zeit.
00:29:55: Und ich habe wirklich in diesem Prozess, wie gesagt, für die neue Stelle,
00:29:58: wo ich mich dann ja wieder um was Tolles kümmern kann, habe ich dann ein
00:30:01: Feedback bekommen aus dem Assessment.
00:30:04: Das hatte ich so noch nie gehört.
00:30:06: Hat man mir nämlich gesagt, ja, du hast das präsentiert und das war
00:30:09: fachlich alles toll, alles super, ist alles drin, was man braucht.
00:30:14: Aber du warst ja wie ein Roboter. So kenne ich dich gar nicht.
00:30:16: Also das war natürlich für mich die mich kannten.
00:30:19: Und dann habe ich da gesessen und dachte mir so, oh, das hat mir
00:30:21: noch niemand gesagt.
00:30:23: Aber ich hatte eine Woche vorher Aufsichtsratssitzung
00:30:28: und da ging es ja nur um das Thema, keine Risiken, es ist alles gut
00:30:31: gelaufen, es ist alles on track.
00:30:34: Die und die Themen waren da, die sind bearbeitet und abgeschlossen, Haken dran.
00:30:38: Also eigentlich in dem Modus, möglichst schnell durch, möglichst Leute ganz easy.
00:30:43: Da ist ja auch ein gutes Verhältnis, ist total super, keine Frage,
00:30:47: aber es war ein vollkommen anderer Modus.
00:30:49: Und das ist mir dann leider erst nach dem Assessment oder in dem
00:30:53: Assessment klar geworden.
00:30:55: Ja, von wegen Begeisterung und Motivation und irgendwie ja Shining.
00:31:05: Gott sei Dank geht es wieder abwärts.
00:31:08: Jetzt zum Abschluss würde ich noch eine Frage stellen.
00:31:11: Kannst auch ein bisschen auslegen, da wo du eigentlich hin,
00:31:15: wenn du es noch mal machen würdest, was würdest du besser machen?
00:31:17: Jetzt hast du eine andere Situation, aber was sind auch,
00:31:20: also das kannst du nehmen oder auch eine Mischung aus der Frage und was sind deine
00:31:24: Learnings daraus, die du einem zweiten Ich geben würdest, der jetzt auch davor steht?
00:31:30: Okay, was würde ich besser machen?
00:31:33: Was würde ich besser machen?
00:31:35: Oder was wären Tipps?
00:31:40: Muss auch nicht sein, was besser ist, sondern was Tipps sind.
00:31:43: Ja, also ich glaube wirklich, dass man das zumindest nur sehr schwer
00:31:50: mit mehr Erfolg machen kann.
00:31:53: Weswegen ich mich ein bisschen schwer tue zu sagen, was könnte man da besser machen.
00:31:57: Weil es ist einerseits so, das sind 2 zentrale Punkte.
00:32:00: Das Thema mit den Mitarbeitern, Unzufriedenheit und Motivation und dass
00:32:03: nichts schiefgegangen ist, das ist das eine.
00:32:05: Das ist ganz, ganz wichtig.
00:32:07: Was aber auch noch mit dazu kommt, dadurch dass das so war,
00:32:10: ist es auch finanziell im Vergleich zu dem, was geplant war,
00:32:13: weil du denkst natürlich, ich habe ja hier Restrukturierungskosten
00:32:16: noch und nöcher, dass das nicht eingetreten ist.
00:32:21: Das Unternehmen war in den letzten dreieinhalb Jahren,
00:32:24: in denen dieses Projekt lief, ähnlich finanziell
00:32:29: erfolgreich oder teilweise sogar erfolgreicher als in den Jahren zuvor.
00:32:34: Das hat auch spezielle Gründe und das ist nicht einfach so reproduzierbar.
00:32:38: Aber deswegen tue ich mich schwer, wie gesagt,
00:32:41: zu sagen, was kann man da besser machen.
00:32:43: Aber dann kannst du sagen, was war der—
00:32:45: aber genau, das Leben ist für die da.
00:32:47: Die Tipps ganz, ganz wichtig: Diese offene,
00:32:50: klare (also auch nicht irgendwie weichgespülte)
00:32:54: wirklich offene und klare Kommunikation.
00:32:58: Liebe Kolleg:innen, liebes Team, wir sind so, wie wir hier sind,
00:33:02: und es wurde entschieden, dass bis zum vermutlich Zeitpunkt so, vielleicht so,
00:33:07: und das ist das, was wir tun.
00:33:09: Und wir können euch keine Sicherheit bieten.
00:33:11: Auch das haben wir entschieden.
00:33:13: Aber wir machen das für euch und wir erwarten von euch das zurück.
00:33:17: Ganz, ganz wichtig.
00:33:18: Und da tatsächlich dann ein Stück weit der Tipp, der einem nicht sofort irgendwie
00:33:24: dann einfällt, weil das ist das Ganze noch ein Stück weitergetrieben: Du
00:33:28: kannst es nicht oft genug sagen.
00:33:30: Du kannst nicht oft genug vor Ort sein, optimalerweise, und Dinge wiederholen,
00:33:36: gebetsmühlenartig immer wiederholen.
00:33:39: Wenn du schon 1000 Mal gesagt hast, der Kollege, der Kollege, der Kollege,
00:33:44: die sind alle dahin gekommen.
00:33:45: Wir führen Gespräche, wir arbeiten an der und der Stelle an Sonderlösungen.
00:33:49: Wir haben das für Person X so gemacht, dass die schon einen neuen Vertrag hat,
00:33:55: aber bei uns arbeitet.
00:33:57: Also auch diese Dinge, die positiv sind, immer wieder wiederholst und immer wieder
00:34:00: sagst: Leute, wenn was ist, kommt zu mir, kommt zu mir.
00:34:04: Und so weiter und so weiter.
00:34:05: Das geht manchmal unter, weil man sich halt irgendwie sagt,
00:34:07: ich habe es ja schon 1000 gesagt.
00:34:09: Nein, das ist tausend und einmal.
00:34:11: Du musst ja eben, du darfst dann nicht nachlassen,
00:34:15: weil diese schlechten Gefühle und die Zweifel bei den Personen,
00:34:18: die kommen auch irgendwann.
00:34:20: Die sind durchgängig ja da.
00:34:21: Die sind immer da und die sind erst dann weg, also wenn sie wirklich auch weg sind.
00:34:27: Und erst wenn die Sicherheit da ist, ich habe einen neuen Vertrag an der
00:34:30: Stelle, dann ist das Thema für die Person eben dann tatsächlich wirklich durch.
00:34:35: Und da eben auch der Punkt, das ist jetzt für
00:34:40: uns in Anführungsstrichen E-Commerce-geprägte
00:34:42: Personen so ein bisschen schwierig und für mich in der Energiebranche aber
00:34:46: ein ganz, ganz heiß diskutiertes Thema.
00:34:50: Da muss man wirklich vor Ort sein.
00:34:53: Die GVS war fast schon ein virtuelles Unternehmen.
00:34:57: Wir sind damals in die Corona-Zeit gestartet.
00:35:01: Dann hatten wir auch eine Führungskräfteklausur und dann hieß es: Ja
00:35:04: gut, komm, wir testen jetzt heute am Dienstag mal, wie das denn aussieht,
00:35:08: wenn wir alle aus dem Büro nach Hause schicken, um zu gucken:
00:35:11: Geht das denn alles?
00:35:12: Und aus diesem Test sind wir nie zurückgekommen für anderthalb Jahre.
00:35:17: Und das war jetzt auch in der Abwicklungszeit so.
00:35:20: Wir hatten eine Policy: Wir können, also die Teams können kommen,
00:35:24: so oft wie sie wollen.
00:35:26: Es war auch für jeden noch ein Arbeitsplatz da.
00:35:28: Das war halt Luxus.
00:35:30: Und wir machen aber keine Vorschrift.
00:35:31: Mit einer Ausnahme.
00:35:32: Einmal pro Monat haben wir ein besonderes Event.
00:35:36: Das ist das Come Together.
00:35:38: Da haben wir einen Bürotag für alle.
00:35:40: Da muss jeder da sein. Außer natürlich mit dem Kind krank.
00:35:43: Und dann haben wir immer da diese Präsenz gemacht.
00:35:45: Gebetsmühlenartig wiederholt.
00:35:47: Was haben wir denn jetzt so?
00:35:48: Kurzen Zwischenbericht.
00:35:49: Irgendwas aus dem Aufsichtsrat. Kollege XY für uns sind.
00:35:52: Und nach Möglichkeit immer so ein kleines Event, damit du zusätzlich zu dem,
00:35:56: was du sowieso immer sagen musst, auch noch mal näher aneinander kommst.
00:36:00: Und das muss man durchziehen.
00:36:02: Konsequent durchplanen über die 3 Jahre.
00:36:06: Wir treffen uns 12 Mal und dann ist da mindestens Minigolf spielen oder Bowling.
00:36:12: Wir gehen in den Escape Room, whatever.
00:36:17: Vielleicht auch kriegen, aber du brauchst ein besonderes Event,
00:36:20: um die Mannschaft beisammen zu halten, damit du die Gespräche und das,
00:36:25: was du so an den Ohren den Leuten haben musst, dann auch tatsächlich hast.
00:36:28: Und das geht leider nicht remote.
00:36:32: Ich glaube, die Erkenntnisse haben die meisten schon.
00:36:35: Also einmal im Monat muss man sich schon treffen.
00:36:37: Ja, das ist gut.
00:36:39: Und ich fand das jetzt auch was Spannendes, du sagtest,
00:36:41: du musstest es dann immer wieder sagen, war für mich einfach
00:36:43: noch erinnere im Moment.
00:36:45: Weil ja, du, ein Mensch ist ja in seinem Moment drin in einer Situation,
00:36:51: und das ist dann nicht deine Situation.
00:36:53: Und du magst es sagen, und es war nicht seine Situation,
00:36:55: aber es kommt dann irgendwann hoch.
00:37:00: Du hast auch, und das ist bei euch sicherlich auch so,
00:37:03: so versuche ich das ja auch zu leben, in flachen Hierarchien hast du ja
00:37:06: schon ganz gut dein Ohr an den Leuten.
00:37:08: Und du hast das Gefühl dafür, wie geht's da jetzt?
00:37:12: Du fragst ja danach und ich hätte das raus und so, aber kriegt
00:37:15: das schon ganz gut mit.
00:37:16: Nichtsdestotrotz, sobald du Führungskraft bist, hast du Distanz.
00:37:20: Wenn du eine Stufe noch weiter drüber bist, es wird immer mehr.
00:37:24: Und spätestens für mich als Geschäftsführer, obwohl ich ja praktisch
00:37:27: aus der Mannschaft da so hochgewachsen bin und es war ja ein bekanntes Gesicht und
00:37:31: guter Kollege und die, ist egal, Aber trotzdem ist es ja neu und es ist
00:37:37: eine Distanz und dann wird dir Misstrauen entgegengebracht.
00:37:41: Zumindest mal in so einer Phase. Die Rolle, ne, der Rolle vielleicht.
00:37:44: Ja klar, natürlich.
00:37:46: Da sieht man auch, naja, der Götz kriegt die Vorgaben von oben,
00:37:49: der muss das jetzt durchsetzen.
00:37:51: Die Leute wissen ja, der hat auch noch keinen neuen Job,
00:37:53: der will ja auch einen haben.
00:37:55: Und auch das war was, das haben mir die Kollegen hoch
00:37:58: angerechnet, dass man sich dann fragt,
00:38:03: ja, wie sieht es bei dir aus?
00:38:04: Und hast du dann schon gesagt, nein, habe ich noch nicht.
00:38:07: Es gibt da Ideen, aber macht ihr euch darüber mal keine Gedanken.
00:38:11: Mein Problem, ich kümmere mich erst mal um euch.
00:38:15: Wie immer, Klüge des Tüchtigen, muss man auch Schweine aufführen.
00:38:21: Aber in der Kombination hat das super geklappt.
00:38:23: Und das ist der Tipp in der Art und Weise.
00:38:25: Sollte man es halt eben dann möglichst noch mal machen
00:38:28: und ähnlich viel Glück haben.
00:38:29: Super.
00:38:30: Also als Letzter vom Boot gehen, das kommunizieren, das,
00:38:33: was man kommuniziert, dran halten.
00:38:35: Und das ist eigentlich egal, ob man auf- oder abbaut,
00:38:39: sind das glaube ich auch Kerneigenschaften, die total wichtig sind.
00:38:43: Götz danke für die Zeit.
00:38:45: Ich glaube, wir sind jetzt deutlich über 30 Minuten, vermute ich mal, oder?
00:38:51: Eine lange Folge, viel drin.
00:38:53: Danke, dass ihr zugeguckt habt und zugehört.
00:38:56: Und wenn Fragen und Bedarf ist, einfach in den Austausch unten in
00:39:01: die Kommentare einfach reinschreiben.
00:39:04: Und sicherlich, wie ich Götz jetzt kennengelernt habe,
00:39:07: wird es da auch Antworten geben. Auf jeden Fall.
00:39:10: Vielen lieben Dank. Danke.
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